Pädagogisches Konzept

Unser pädagogisches Konzept

Das pädagogische Konzept des Zwergennest Remels orientiert sich an der Natur und ihren Jahreszeiten. Wir glauben, dass Kinder am besten lernen, wenn sie die Welt unmittelbar erleben dürfen – mit allen Sinnen.

Unser Bild vom Kind

Wir nehmen jedes Kind als eigenständige Persönlichkeit mit seinem ganz eigenen Lerntempo wahr. Die Umgebung des Zwergennest soll die Wissbegierde jedes einzelnen Kindes erfüllen können – dafür geben wir ihm die Zeit und den Raum, die es braucht. Im Mittelpunkt steht die Förderung dreier Kompetenzbereiche, die sich im Alltag durch den Einfluss der Natur entfalten:

  • Ich-Kompetenz – sich seiner selbst bewusst sein und den eigenen Kräften vertrauen
  • Sozial-Kompetenz – soziale Beziehungen aufbauen, Konflikte eigenständig lösen, Unterschiede akzeptieren und Verantwortung füreinander übernehmen
  • Sach-Kompetenz – sich die Welt durch den Umgang mit Naturmaterial praktisch wie theoretisch erschließen

„Kinder brauchen Herausforderungen, an denen sie wachsen. Kinder brauchen Vorbilder, an denen sie sich orientieren. Kinder brauchen Gemeinschaft, in der sie sich wohlfühlen.“ – Gerald Hüther

Naturnahe Pädagogik

Auf dem Bauernhof begegnen unsere Kinder echten Tieren, echten Pflanzen und echten Materialien. Sie begreifen im wahrsten Sinne des Wortes, wie die Natur funktioniert.

Schwerpunkte unserer pädagogischen Arbeit

Unsere tägliche Arbeit ruht auf mehreren Säulen, die sich gegenseitig ergänzen und im Zwergennest-Alltag immer wieder spürbar werden:

Gemeinschaft

Grundvoraussetzung unserer Arbeit ist eine liebevolle, vertrauenserweckende Atmosphäre, in der sich jedes Kind angenommen und wohl fühlt. Im Mittelpunkt steht ein wertorientierter, partnerschaftlicher Erziehungsstil – durch das Miteinander, gemeinsame Aktivitäten und Angebote entwickeln sich soziale Kompetenzen ganz nebenbei.

Das freie Spiel

Neben gezielten Aktivitäten und Projekten nimmt das freie Spiel einen großen Raum im Alltag ein. Die Kinder wählen Spielort, Spielpartner und Spielart selbst – dabei sind Selbstständigkeit, Kreativität und soziales Lernen besonders gefragt. Im Spiel erforscht das Kind seine Umwelt, verarbeitet Eindrücke und Erfahrungen und entdeckt seine eigenen Anlagen und Interessen.

Gesunde Ernährung

Wir legen großen Wert auf eine vollwertige Ernährung. Unser gemeinsames Frühstück besteht aus Vollkornprodukten, selbstgebackenen Brötchen, Käse, Gemüse und ungesüßten Getränken wie Tee oder Wasser – jeden Tag gibt es eine gemeinsame Mahlzeit, bei der das Gemüse aus dem eigenen Hochbeet oft direkt auf dem Tisch landet.

Natur mit allen Sinnen erfahren und lernen

Das Bewusstsein für die Natur in der unmittelbaren Umgebung ist ein zentraler Eckpfeiler unseres Konzepts. Die Kinder beobachten Pflanzen und Tiere, übernehmen Verantwortung für die Tiere auf dem Hof, arbeiten mit natürlichen Materialien und erleben den Rhythmus der Jahreszeiten hautnah. Regelmäßige Ausflüge in den nahegelegenen Wald und Besuche der Gemeindebücherei gehören ebenso zu unserem Alltag. Wir sind überzeugt: Kinder brauchen Erfahrungen aus erster Hand – sie müssen Dinge im wahrsten Sinne des Wortes begreifen, um sie zu verstehen und sich zu eigen zu machen.

Partizipation

Jedes Kind braucht Freiraum, um Eigenverantwortung zu erlernen. Deshalb beziehen wir die Kinder in Entscheidungen ein, die das gemeinsame Zusammenleben betreffen, und ermutigen sie, ihre eigenen Ideen, Wünsche und Bedürfnisse wahrzunehmen und zu äußern. So erfahren die Kinder: Ich bin richtig und wichtig, meine Stimme wird gehört. Das stärkt Eigenständigkeit und Selbstvertrauen – und im gemeinsamen Aushandeln lernen sie zugleich, einander zuzuhören und Kompromisse zu finden.

Nachhaltigkeit

Unser Frühstück besteht überwiegend aus biologisch angebauten Produkten eines nahegelegenen Biohofs. Im Hochbeet und Gewächshaus erleben die Kinder hautnah, wie Lebensmittel vom Säen über das Wachsen bis zur Ernte und Verarbeitung entstehen. Auch Mülltrennung und das sinnvolle Wiederverwenden von Materialien – Upcycling – sind fester Bestandteil unseres Alltags.

Unser Tagesablauf

  • 8:00 – 8:30 Uhr: Ankunft
  • 8:45 – 9:00 Uhr: Morgenkreis und freies Spiel
  • 9:30 – 10:00 Uhr: gemeinsames Frühstück
  • 10:00 – 11:45 Uhr: Freispiel sowie altersspezifische Bildungs- und Förderprojekte
  • 11:45 – 12:00 Uhr: Aufräumen und Abschlusskreis (freitags bereits ab 11:45 Uhr)

Einmal wöchentlich steht der „Zwergensport“ auf dem Programm, angeleitet von einer dafür ausgebildeten Mitarbeiterin in der Turnhalle der Grundschule. Über das Jahr verteilt feiern wir gemeinsam unsere festen Rituale: Faschingsfest, Osterfrühstück, Sommerfest, Nikolausfrühstück, Laternenlauf und Adventsbasar.

Eingewöhnung

Der Übergang von der Familie ins Zwergennest ist ein bedeutsamer Schritt – für die Kinder, ihre Eltern und unser Team gleichermaßen. Wir orientieren uns dabei am Berliner Eingewöhnungsmodell, das die Erkenntnisse der Bindungsforschung berücksichtigt, und gehen behutsam in mehreren Schritten vor:

  1. Grundphase: Ein Elternteil begleitet das Kind an 2–3 Tagen für rund zwei Stunden in die Gruppe, ohne dass eine Trennung stattfindet – die Erzieherin nimmt langsam Kontakt auf und vertieft ihn zunehmend.
  2. Erster Trennungsversuch: Am vierten Tag verabschiedet sich das Elternteil nach dem Morgenkreis bewusst und verlässt für etwa 30–60 Minuten den Gruppenraum, bleibt dabei aber in der Nähe.
  3. Stabilisierungsphase: Je nachdem, wie das Kind die erste Trennung erlebt, gestalten wir die weitere Eingewöhnung gemeinsam mit den Eltern individuell – mal etwas kürzer, mal etwas länger.
  4. Schlussphase: Das Elternteil hält sich nicht mehr in der Einrichtung auf, ist aber jederzeit erreichbar. Die Eingewöhnung gilt als abgeschlossen, sobald sich das Kind von den Mitarbeiterinnen trösten und in sein Spiel zurückfinden lässt.

Nach etwa 6–8 Wochen führen wir mit den Eltern ein „Kennlerngespräch“, in dem wir gemeinsam auf den Verlauf der Eingewöhnung zurückblicken und wichtige Informationen austauschen.

Sprachbildung und der Übergang in die Schule

Die Förderung der Sprachentwicklung ist fester Bestandteil unserer pädagogischen Arbeit und findet alltagsintegriert statt: Beim Frühstück, im Spiel, auf Ausflügen – überall ergeben sich natürliche Sprachanlässe. Durch interessiertes Zuhören und Nachfragen begleiten unsere Mitarbeiterinnen die Kinder sprachlich, wecken die Freude am Sprechen und unterstützen sie darin, sich verständlich zu machen und andere zu verstehen.

Einmal wöchentlich gibt es zudem ein gesondertes Angebot für unsere „Großen“: Die Vorschulkinder gehen darin gezielt eigenen Interessen nach und sammeln Erfahrungen, die ihnen den Übergang in die Schule erleichtern. In der kleinen, über drei Jahre stabilen Gruppe entwickeln die Kinder ein gesundes Selbstwertgefühl und soziale Kompetenzen, die ihnen den Schulstart leichter machen. Im Rahmen des sogenannten Brückenjahres arbeiten wir eng mit den umliegenden Grundschulen zusammen.

Beobachtung und Dokumentation

„Begeisterung ist Dünger für das Gehirn“, sagt der Neurobiologe Gerald Hüther – und genau davon sind wir überzeugt: Ein Kind lernt am besten, wenn es von einem Thema gepackt ist und seine Neugierde nicht gebremst wird. Um die Entwicklung jedes einzelnen Kindes wahrzunehmen und es individuell zu fördern, beobachten und dokumentieren wir mit dem bewährten Verfahren „Der Baum der Erkenntnis“ von Berger/Berger. Jedes Kind sammelt zudem in einem eigenen Karton seine Werke und kleinen Entwicklungsgeschichten. Diese Dokumentation bildet die Grundlage für unsere Elterngespräche und wird den Familien mitgegeben, wenn ihr Kind das Zwergennest verlässt – auf Wunsch auch zur Weitergabe an die Grundschule.

Elternbeteiligung

Als Elternverein lebt das Zwergennest von einer engen, vertrauensvollen Zusammenarbeit mit den Familien – im Sinne einer echten Bildungs- und Erziehungspartnerschaft. Dazu gehören ein persönliches Kennenlerngespräch vor der Anmeldung, mindestens ein jährliches Elterngespräch über die Entwicklung des Kindes sowie die Möglichkeit, an einem Hospitationstag den Alltag der Gruppe hautnah mitzuerleben. Bei organisatorischen Elternabenden, der Pflege von Haus und Garten sowie gemeinsamen Aktivitäten wie dem Adventsbasar oder dem Sommerfest bringen sich die Eltern aktiv ein und stärken so das Wir-Gefühl, das den Kindergartenalltag lebendig macht.